Deutsche Meisterschaften Berglauf

Am 19. April 2026 machten sich Stephan, Frank und Jürgen auf den Weg nach Breitungen, um bei den Deutschen Meisterschaften im Berglauf an den Start zu gehen.

Die anspruchsvolle Strecke führte über rund 12,5 Kilometer auf den Pleß und verlangte den Teilnehmern alles ab. Waldwege, schlammige Trails und drei kräftezehrende Anstiege prägten den Kurs. Besonders herausfordernd: die zweimal zu bewältigende „Hirschwand“ mit Steigungen von bis zu 40 Prozent.

Aufgrund der Wetterlage wurde der Start durch den Veranstalter um eine Stunde verschoben – eine gute Entscheidung, denn so blieb den Läufern ein Start im Regen erspart.

Trotz der schwierigen Bedingungen zeigten unsere Starter starke Leistungen:

  • Stephan belegte einen hervorragenden 6. Platz in der Altersklasse M35
  • Frank erreichte Platz 10 in der Altersklasse M45
  • Jürgen krönte seinen Lauf mit der Bronzemedaille in der Altersklasse M55

Herzlichen Glückwunsch an unsere drei Läufer zu diesen tollen Ergebnissen!

Ein besonderer Blick auf das Rennen folgt im persönlichen Bericht von Jürgen Löschner, der seine Eindrücke von Strecke, Bedingungen und Wettkampfgeschehen schildert.

Eindrücke aus Sicht des Bürgeler "Old Stars" Jürgen Löschner.

Zum zweiten Male wurde zwischen Thüringer Wald und Rhön die Deutsche Meisterschaft im Berglauf ausgetragen und zum zweiten Male ist Blau-Weiß Bürgel dabei. Aus der Erinnerung weiß ich noch, dass die Bergläufer aus Süddeutschland unser Thüringer Mittelgebirge vor dem Start belächelt haben und während des Rennens an der Hirschwand sehr leiden mussten. Ich selbst hatte mit der Hirschwand vor 7 Jahren meine Erfahrungen gesammelt und wusste, dass es dieses Jahr 2 × dort raufging.
Etwa drei Tage vor dem Rennen ist der Wetterbericht halbwegs vertrauensvoll. Und was soll ich sagen, für den Sonntagvormittag war Regen angesagt. Das ist für die Strecke keine gute Voraussetzung, manche Wege würden sich in ziemliche Schlammlöcher auflösen. Zwischen Hoffen und Bangen hat der Wetterbericht das Ende des Regens gegen 10 Uhr vorhergesagt.
Am Sonntagfrüh standen Stephan und Frank noch bei Sonnenschein vor meiner Haustür. So richtig wollten wir es nicht glauben, dass an der Werra Regen ist. Doch wurden wir auf der Fahrt von den Tatsachen überzeugt und waren schon nass, als wir an der Anmeldung eintrafen. Dort haben wir erfahren, dass der Start um 30 Minuten verschoben wird, um den Regen abzuwarten. Unterdessen gab es viel Small Talk mit wartenden Läufern, und irgendwie haben wir die Zeit in der Sporthalle in Breitungen totgeschlagen. Etwa 10:15 Uhr gab es dann keine Ausrede mehr, wir mussten zum Warmlaufen raus. Und tatsächlich regnete es nicht mehr. Wir haben unsere 2,5 km Einlaufrunde gedreht und uns am Starttor eingefunden. Noch mussten wir den Start der Mitteldistanz abwarten, dann kam noch ein Bus zur Gepäckbeförderung. Nun konnte sich endlich das Starterfeld am Starttor sammeln. Wir haben uns im Gedränge noch sehen können, haben uns gutes Gelingen gewünscht, als der Startschuss gegeben wurde. Stephan und Frank habe ich nur von hinten gesehen. Ich selbst habe mir meine Position im Starterfeld gesucht und bin meinen Stiefel gelaufen, immer in der Gewissheit, Körner für den Schluss aufzuheben. Man startet gleich in sanfte Steigung hinein, läuft unter Wettkampfbeanspruchung aber etwas langsamer. Bei übersichtlichen Streckenabschnitten konnte ich eine riesige, bunte Läuferschar vor mir ausmachen. Eine Deutsche Meisterschaft ist doch etwas anderes, als ein lokaler Volkslauf. Zum Glück war ich dieses Mal weniger motiviert als noch vor sieben Jahren. Ich wusste nur, dass in meiner Altersklasse 20 Starter gemeldet waren. So haben mich die vielen Läufer vor mir auch wenig beeindruckt.
Nach ca. 3 km ging es das erste Mal auf einen Trail noch bergauf. Hier habe ich meine Chance gesehen, denn einige unmittelbare Konkurrenten liefen auf dem weichen, schmierigen Boden unsicher. Nach 4km ging es das erste Mal ins Gefälle, auch das wusste ich noch von 2019. Hier hatte ich großen Bammel um meine zerschundenen Knie. Doch der Matsch kam mir als gute Dämpfung zugute und ich bin dort heruntergekommen. Ich konnte sogar auf Frank aufschließen, der mir im folgenden leichten Gefälle aber wieder davongelaufen ist. Nach 6 km geht es das erste Mal in die Hirschwand. Erst mit moderater Steigung, bis der Blick nach oben frei wird. Der Anblick der vielen bunten Punkte war gigantisch und Furcht einflößend zugleich. Das hätte ich gar nicht gedacht, gerade hier meine Stärken entfalten zu können. Immer mehr Konkurrenten wechselten in den Wanderschritt, während ich noch schwer atmend Laufschritt halten konnte. Frank hatte ich noch vor der steilsten Stelle hinter mir gelassen, sorry. Auch Stephan kam in Sichtweite. Nun war ich etwas perplex, da beide im Training und bei anderen Wettkämpfen immer vor mir im Ziel sind. Die letzten ca. 30 m der Hirschwand konnte ich nicht mehr laufen, 40% Steigung haben auch mich zum Wandern gezwungen. Trotzdem konnte ich noch andere Läufer überholen. Nun von km 7,5 bis 9,5 führte der Weg wieder bergab. Auch war wieder der Schlammtrail dabei, wo Stephan wieder vorbeigezogen ist. Das zweite Mal an der Hirschwand bot sich das gleiche Schauspiel nochmal. Ich konnte einfach länger Laufschritt halten und so ein paar Plätze gut machen. So kurz vor dem Ziel entbrannte das Kämpferherz und ich habe versucht, das Alter der Mitbewerber einzuschätzen. Vor sieben Jahren hatte ich mit wenig Rückstand die Holzmedaille geholt. An welcher Stelle ich diesmal war, ist mir nicht bewusst gewesen. Nachdem endlich wieder der Fahrweg unter den Füßen war, rief der Streckenposten "Noch 1000m". Okay, jetzt kann alles Pulver raus, was noch in der Knoche steckte. Im Ziel hatte ich eine Läuferin, ca. 50m vor mir. Doch sie hat auf den letzten Metern auch ihr Tempo angezogen. Der vorsichtige Blick nach hinten hat einen ausreichend großen Vorsprung angezeigt. So konnte ich zufrieden den Torbogen durchlaufen, war klatschnass von Schweiß und tropfenden Bäumen.
Aber was war das? Wo waren Frank und Stephan? Ich war dann schon wieder in der Lage, mit verquollenem Blick und nassem Handy ihre Zieleinläufe zu fotografieren. Nach nur kurzem Aufenthalt bei einsetzendem Nieselregen und 7 °C haben wir uns wieder vom Berg heruntergemacht. Ich selbst habe mit Fotos und Quasselei den Anschluss verpasst und bin meist alleine den Berg hinabgelaufen. Unter der Dusche treffe ich Frank und Stefan wieder. Sie beglückwünschten mich und ich wusste gar nicht, wovon sie redeten. "Du hast den 3. Platz in Deiner AK geholt!" Fast wie erstarrt und ungläubig habe ich die beiden angestiert und konnte das eben Gesagte nicht fassen. Der erste Gedanke war, wieder einen Erfolg für die Vereinsreferenzliste erzielt zu haben. Die Gedanken spielten ziemlich verrückt und ich war überglücklich.
Nun ist aber ein neues Problem entstanden. Wir mussten auf die Siegerehrung warten. Das hat sich sehr gezogen. Nach einer gefühlten Ewigkeit war die AK 55 auch dran und wir konnten nach Hause fahren. An dieser Stelle sei auch für die Geduld von Stephan und Frank und deren Familien gedankt. Ich habe ihre Zeit doch sehr beansprucht.