10 Jahre SV Blau-Weiß Bürgel – Laufgeschichten von Jürgen Löschner

Zehn Jahre. Über 21 Meistertitel. Und unzählige Geschichten.

Unser Vereinsmitglied Jürgen Löschner blickt in einem sehr persönlichen und eindrucksvollen Bericht auf seine bisherige Laufzeit beim SV Blau-Weiß Bürgel zurück – von der ersten Staffelteilnahme bis zu Deutschen Meisterschaften, von Verletzungen bis zu Triumphen auf und neben der Strecke.

Sein Rückblick ist mehr als nur eine Laufbilanz: Es ist eine bewegende Geschichte über Motivation, Gemeinschaft und die Freude am Sport.

Wie alles begann

Nun ist es 10 Jahre her, dass ich für den SV Blau-Weiß Bürgel als aktiver Läufer unterwegs bin. Dies ist ein guter Zeitpunkt, nach hinten zu blicken und an viele schöne sowie erfolgreiche Momente zu denken. Für mich ist die Laufkarriere aus purem Zufall entstanden. Dies war zur betrieblichen Weihnachtsfeier, als ich per Los einen Platz neben dem Chef "gewonnen" hatte. Jedoch wusste ich, dass der Frank ein Läufer ist, während ich Radfahrer bin. Worüber redet man nun mal bei der Weihnachtsfeier? Jedenfalls nicht über die Arbeit. Und so hatte sich ein sehr schönes Gespräch entwickelt und kurze Zeit später kam der Chef mit der Idee zur Teilnahme an der Saale-Horizontale-Staffel. Außerdem war mein damaliger Nachbar ein Sportsmann gewesen. So habe ich mich im Jahre 2011 ins Läuferleben gestürzt. Nach den ersten Trainingsläufen hatte ich immer Muskelkater, aber es war eine deutliche Erweiterung meines sportlichen Horizontes. Inzwischen hatte sich eine betriebliche Laufgruppe gebildet und wir hatten uns in Anlehnung an unseren Arbeitgeber "Die Zeissige" genannt. Meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich beim Jenaer Teamlauf 2011 und hatte zumindest bei allen Kollegen für Verwunderung gesorgt. Als Startläufer hatte ich an Position 3 den zweiten Läufer auf die Reise geschickt. So dauerte es nicht mehr lange und ich habe nach Wettkämpfen in der Region Ausschau gehalten. Noch im selben Jahr bin ich in den SaaleCup eingestiegen und brauchte nicht mal alle nötigen Teilnahmen, um in der Altersklasse den 3. Platz einzulaufen. Ein paar Anfängerfehler haben mich im ersten Jahr noch deutlich ausgebremst.

Vom Hobbyläufer zum ambitionierten Wettkämpfer

Im Jahre 2012 waren die ersten "Wunden" geheilt und mit neuer Ausrüstung und neuen Zielen ging es in ein strukturierteres Training. Diesmal habe ich von Anfang an im SaaleCup mitgemacht und war regelrecht heiß darauf, die bisherigen Wettkämpfe zu analysieren, zu rechnen und zu kämpfen. Immerhin konnte ich in diesem Jahr bei allen Teilnahmen die Altersklasse für mich entscheiden. Auch im Jahre 2012 wurde ich durch Verletzungspech bzw. Anfängerfehler ausgebremst, was mich allerdings nicht zur Resignation gebracht hat. So wurde ich in der lokalen Laufszene bekannter, als mir lieb war. Ich hatte unter anderem Anfragen, bei verschiedenen Staffelläufen als Gastläufer eine Etappe zu laufen. Das hat mich natürlich sehr geehrt.

Der Weg zu Blau-Weiß Bürgel

Im Jahre 2014 war es dann so weit, alles im SaaleCup geschafft zu haben. Mit der Teilnahme an allen Läufen, 10 von 11 Altersklassengewinnen und 2 Gesamtsiegen war alles erreicht, was man mit 45 Jahren im Bereich der Volksläufe erreichen kann. Nun war ich auch so sehr bekannt, dass ich von ganz vielen Läufern gegrüßt wurde, die ich selbst nicht kannte. Irgendwann hatte ich Bekanntschaft mit Micha gemacht, der mich im Spätsommer 2014 fragte, ob ich nicht lieber in einem Verein laufen wollte. Mit dem Gedanken hatte ich mich bis dahin gar nicht beschäftigt, doch die Aussicht auf einen Startpass war verlockend. Nach etwas Zögern rief mich eine Kollegin an, die auch bei SV Blau Weiß Bürgel ist, dass ich den Aufnahmeantrag unterschreiben möchte. So richtige Ausreden hatte ich nicht einmal, dies nicht zu tun.

Erste Meistertitel & neue Ambitionen

So bin ich seit Jahresbeginn 2015 für den Verein unterwegs und auch bei den Thüringer Landesmeisterschaften am Start. Der erste öffentliche Auftritt für mich bei Blau Weiß Bürgel waren die Landesmeisterschaften im Halbmarathon in Apolda. Das war ein wahres Blau-Weißes Fest. Steffen weit voraus und dann Frank, Micha und ich jeweils als Erster der Altersklasse im Ziel. Die Bedingungen waren durch starken Wind wirklich schlecht, aber ich war niemals wieder schneller im Halbmarathon. Schon beim nächsten Meisterschaftslauf, diesmal 10.000m Bahn in Ichtershausen, musste ich mit einer gewissen Berühmtheit meinerseits Bekanntschaft machen. Der einzige Altersklassenkonkurrent stand gar nicht erst an der Startlinie, als er mich gesehen hatte. Das Rennen war nach 37 Minuten für mich zu Ende, war aber durch brutale Hitze sehr hart an der Grenze. Weiterhin habe ich im selben Jahr im Berglauf sowie in 10-km-Straßenrennen die Landesmeistertitel in der AK 45 für mich entscheiden können. Gleichfalls im Jahre 2015 habe ich an meinem 2. Wettkampfmarathon teilgenommen, allerdings für den Arbeitgeber gelaufen, da von dort finanziert. Ich war in Ulm als Gesamtdritter nach 2h 45 min 31 s im Ziel. Schnell war klar, dass ich noch etwas höher greifen wollte, als die fast konkurrenzlosen Thüringer Landesmeisterschaften. Wieder hat der Zufall geholfen. Es war wohl nach dem 10-km-Straßenrennen in Meiningen im Oktober 2015, als ich mit Uwe über fehlende Konkurrenz gesprochen habe. Als Idee hat mir Uwe mitgegeben, dass man bei den Deutschen Meisterschaften für 100km keine Qualifikation braucht. Oh, da habe ich mir ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Recht bald habe ich mich belesen und bin auf die Deutsche Ultramarathonvereinigung gestoßen und habe auch etwas von einem DUV-Cup gelesen. In der Wintersaison 2015/2016 habe ich richtig Spaß daran gehabt, mehrmals in der Woche über 30 km zu laufen. Im November 2015 stand dann auch der erste Ultra im Training an. Ich hatte als Zeitlimit 5h gesetzt und bin eine flache Strecke gelaufen. Nach genau 2,5h bin ich einfach umgekehrt. Der erste Ultramarathon hatte mir 64 km beschert. Bei diesem Training habe ich die Erfahrung machen müssen, dass neben Motivation und Ausdauer auch andere Begleiterscheinungen zu betrachten waren: Hunger & Durst. Denn genau einen Kilometer nach der Marathondistanz hat der Körper "zugemacht". Ein Powerriegel und Wasser aus einem Brunnen haben mir den Heimweg am Ende gesichert.

Ultramarathon & Deutscher Erfolg

Nach vielen schönen und manchmal langen Trainings stand ich am 6. April 2016 in Nürnberg an der Startlinie zum Rennen der deutschen Meisterschaft im 6 Stundenlauf. Erstaunlich wenige Teilnehmer waren am Start, nicht mehr als bei einem regionalen Volkslauf. Ich kannte niemanden vom Starterfeld. Manche aufgeschnappten Stimmen sprachen davon, wann genau welche Verpflegung gereicht werden sollte. Über sowas habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich war von mir lediglich überzeugt, daß ich die 6h durchhalten kann, und daß ich mindestens 80 km schaffen wollte. Zum Glück hatte ich mich vorher über die Strecke informiert: Es war ein Rundkurs im Whörder Park in Nürnberg von 1,55 km. Das heißt alle 7 Minuten an gleicher Stelle zu sein. Nach den ersten 10 Runden habe ich mit dem Zählen aufgehört. Ab etwa 15 km mußte ich die Spitzengruppe ziehen lassen. Irgendwann überrunde ich andere Läufer und später werde auch ich überrundet. Um nicht in ein Hungerloch zu fallen, habe ich ab etwa dem Halbmarathon alle paar Runden einige Apfelstücken von Verpflegungsstand mitgenommen. Erst deutlich nach 3 Stunden mußte ich immer mal wieder zum Trinken anhalten. Etwa nach 4 Stunden wurden auf einer großen Anzeigetafel die 8 besten Läufer angezeigt. Da habe ich mich an 6. Stelle wieder gefunden. Das hat gut zur Motivation beigetragen. Wer die 50 km geschafft hat, darf eine Runde eine kleine Fahne tragen. Das hat zum Teil Bewunderung anderer Läufer hervorgerufen. Etwa 15 Minuten vor den Ende werden am Versorgungsstand Stäbe mit der Startnummer ausgeteilt und genau nach 6 Stunden verkündet eine Hupe das Ende. Genau an der aktuellen Position wird der Stab abgelegt. Mit dem Stab in der Hand wußte ich, daß ich die verbliebene Energie nun komplett verpulvern kann. Nach fast 6 Stunden und 80km war ich nochmal in der Lage, die letzte Runde mit einem Schnitt von 4'/km zu laufen. Ein paar Läufer konnte ich sogar überholen. Durchs viele Überrunden hatte ich lange den Überblick verloren, wer an welcher Position gewesen ist. Nach dem Ertönen der Hupe habe ich den Stab einfach fallen gelassen und bin selbst in die Wiese gefallen. Es hat wohl 10 Minuten gedauert, bis ich mich einmal umgedreht habe. Der Gang zu einer nahegelegenen Halle, wo die Siegerehrung stattfand, war eine wahre Tortur. Die Beine und Gelenke haben unheimlich geschmerzt. Aber die Schmerzen wurden mit der Bronzemedaille in der Altersklasse einer Deutschen Meisterschaft belohnt. Erst bei der Siegerehrung habe ich mitbekommen, daß mich ganze 16 Meter von der Silbermedaille getrennt haben. 2 Wochen später habe ich in der Zeitung gelesen, daß das Rennen von Nürnberg mir die thüringer Bestmarke im 6 Stundenlauf beschert hat. 17 Jahre hatte der vorherige Rekord bestand gehabt. Leider weiß ich nicht, ob mir dieser Titel noch erhalten ist.
Ein weiterer Teilerfolg 2016 im Ultralauf ist der Rennsteigsupermarathon gewesen, den ich auf dem 13. Gesamtplatz ins Ziel gebracht habe. Der emotionalste Moment dieses Rennens war, als kurz nach mir Vereinskameradin Daniela ins Ziel kam. Wir haben und noch nicht richtig umarmt, schon schauten unzählig viele Kameras auf Daniela als erste Frau. Zeitgleich lief Micha seinen Marathon ins Ziel, was für ein grandioser Moment für Bürgel! Ein 3 Ultralauf sollte es im Jahre noch werden. Die Deutsche Meisterschaft im 100 km Lauf fand in jenem Jahr in Leipzig statt. Ein paar Bekannte Gesichter von Nürnberg habe ich im Dämmerlicht wieder erkannt. Ein nicht vollständig auskuriertes Leiden am Hüftgelenk haben den Traum vom Finisch nach 50 km platzen lassen. Die Schmerzen waren einfach zu groß, um noch 50 km weiterlaufen zu können. Wenn etwas wehtut, fällt die Entscheidung zum Aufgeben auch gar nicht so schwer. So kann ich heute nur zurückblicken, daß Nürnberg der längste und schnellste Ultramarathon meines Lebens gewesen ist. Durch diverse Krankheiten und Verletzungen habe ich 2016 keinen Landesmeisterschaftslauf absolviert.
Neue Hoffnungen keimten für 2017 auf. Die Verletzungen waren vergessen und ich bin wieder gut ins Training eingestiegen. Highlight war ein Trainingslager auf Gran Canaria gemeinsam mit 4 anderen Sportfreunden. Was haben wir es dort krachen lassen! Abwechslungsreiche Trails, Tempowechsel im Touristengebiet oder Intervalle im Stadion. Für mich war es die erste Erfahrung, daß man auf einer Ferieninsel auch Sport machen kann. So gut trainiert stand der Greizer Straßenlauf am 11. März auf dem Plan. Leider die letzte Austragung dieses Rennens, dafür offiziell vermessen. Wie immer im Rennen entsteht das Gefühl, ganz schlecht drauf zu sein. Und es sind wieder ein paar Konkurrenten vor mir in Sichtweite. Meiner Laufuhr wollte ich nicht so recht glauben, daß sie mir für 10 km gerade einmal 34'38" angezeigt hat. Doch Aushang hat diese Zeit mit 34'44" bestätigt. Dies ist meine allerbeste Zeit auf 10 km gewesen. So motiviert stand ich mit vielen Vereinskameraden eine Woche später in  Eisenberg zum Mühltallauf am Start, der in diesem Jahr den 10 km Straßenlauf der Thüringer Landesmeisterschaften darstellte. Die Zeit von Greiz konnte ich nicht ganz wiederholen, doch war ich nicht weit entfernt davon. Noch am selben Tage haben wir Läufer vom Verein überlegt, ob wir am folgenden Sonntag gemeinsam einen gemütlichen langen Lauf machen wollen. Leider haben wir uns nicht zu einer geneinsamen freien Zeit finden können. So bin ich alleine in der Heimat losgezogen. Nach noch nicht einmal 10 km hat ein akutes Stechen im Knie mich zum sofortigen Halten gezwungen. Nach 2 gescheiterten Versuchen nochmal loszulaufen, mußte ich mich den Schmerzen geschlagen geben und bin nach Hause gewandert.

Comeback nach Verletzung

Die spätere Diagnose beim Arzt war Meniskusriss. Ob nun Glück oder Unglück: Nach genau 4 Monaten hatte sich das andere Knie auch mit einem Meniskusriss verabschiedet. Dieser Zustand konnte nur operativ beseitigt werden. Und ich war zumindest so weit vernünftig, mich an die Vorgaben des Arztes zu halten. Ich sollte 12 Wochen nach der OP erst ganz vorsichtig anfangen zu laufen. Wie sehr habe ich diesem Januartag 2018 entgegengefiebert, als die 12 Wochen endlich vorbei waren! Im Schutze der Dunkelheit und mit Bandagen um die Knie wäre ich sogar über 1km glücklich gewesen. Allein das Gefühl, die inzwischen verstaubten Laufschuhe wieder hervorzuholen und zu schnüren, war unbeschreiblich, hat ganz viele Glücksmomente bereitet. An jenem Abend war ich 5km draußen, viel mehr als erwartet. Erstaunlich schnell war ich wieder im Training und konnte die 10-monatige Laufpause gut in Vergessenheit geraten lassen. Die hochgesteckten Ziele im Ultramarathonbereich mussten erst einmal außen vorbleiben. Wettkampfstart war wieder der Moorentallauf in Apolda, der Wertungslauf zu den Thüringer Landesmeisterschaften im Halbmarathon. Selbst hatte ich gar nicht an einen Start geglaubt. Doch meine Vereinskameraden haben meine Trainingsergebnisse bei Strava gesehen und mich zu einer Teilnahme überredet. Erst am letzten möglichen Tag der Anmeldung habe ich meine Teilnahme zugesagt. Ganz gegen meine Gewohnheit musste ich mich diesmal bei einer Thüringer Landesmeisterschaft mit dem 2. Platz der Altersklasse zufrieden geben. In der weiteren Folge habe ich mich an den Saale Cup erinnert und an verschiedenen Volksläufen teilgenommen. Bis auf den "Schönheitsfehler" beim Moorentallaufs konnte ich bei allen anderen Wettkämpfen die Altersklasse für mich entscheiden. Im Sommer 2018 war die Knieoperation vollends vergessen und ich war wieder in der Lage, die 10 km mit etwas über 35 Minuten zu laufen.

Neue Rekorde & Staffelteams

Das Jahr 2019 begann mit einem wahren blau-weißen Feuerwerk in der Halle in Erfurt. Es wurden unter anderem die Landesmeisterschaften in 3000m ausgetragen. Für mich war es die Premiere in der Halle. Nun in der Altersklasse 50 startend, war ich der jüngste Mann, gemeinsam mit allen Damen im Starterfeld. Bei diesem Wettkampf konnte ich mit meinem einzigen Konkurrenten etwas spielen und habe am Ende das Rennen für mich entschieden. Doch der schöne Erfolg zu Jahresanfang hat durch eine sehr unangenehme Krankheit einen Dämpfer erhalten. Die schmerzlichste Absage war das Rennen der Transcanaria über 64 km. Zwei Tage vorher hatte mich die Krankheit erwischt und das Startgeld war eine Spende für den Veranstalter. Außerdem war die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften im 3000-m-Bahnlauf dahin, die ich in Erfurt erreicht hatte. Für die Deutsche Meisterschaft war ich noch nicht genesen. Erst zur Landesmeisterschaft im Halbmarathon war ich so halbwegs fit, wieder einen Wettkampf zu bestreiten. Im weiteren Jahresverlauf habe ich mich wieder in Richtung Deutsche Meisterschaften orientiert. Und schon im April 2019 konnte ich mich über meine Bestzeit im Marathon bei den Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf freuen. Da ich dort niemanden kannte, war ich mir über die Platzierung völlig im Unklaren. Etwas enttäuscht musste ich feststellen, nur die Holzmedaille eingelaufen zu haben. Aber ich kann diesen Wettkampf als meinen schnellsten Marathon für mich verbuchen. Neu ab dem Jahre 2019 für den ganzen Verein war, dass wir inzwischen so viele Läufer sind, um vereinseigene Staffelteams aufstellen zu können. Unser erster gemeinsamer Staffellauf, die Schillerstaffel, bleibt auch in ganz besonderer Erinnerung. In der Frühe änderte sich der anfängliche Regen in Schnee, und das im Wonnemonat Mai. Und ich war auch derjenige, der im Schnee eine Markierung nicht gesehen hat und 2km zusätzlich gelaufen ist. Trotzdem konnten wir als Mixteam den ersten Platz einlaufen. Der skurrilste Altersklassensieg ist mir beim Rennsteigsupermarathon widerfahren. Das Rennen lief ganz gut an bis etwa 35 km. Dann bekam ich richtig schrecklichen Hunger. Mit irgendetwas war der Körper unterversorgt, hatte einen solchen Zustand vorher noch nie beim Laufen erlebt. An den Versorgungspunkten habe ich mich mit Apfel und Cola versorgt, aber irgendwie bin ich aus dem Zustand des Deliriums nicht wieder herausgekommen. Im Kopf hatte ich mir als Minimalziel vorgenommen, wenigstens noch den Grenzadler zu erreichen. Ich habe es auch wirklich bis dorthin geschafft und gefragt, wo ich die Startnummer abgeben kann. Zum Glück war genau dort ein mir unbekannter Strava-Kumpel gewesen, der mich kannte. Von ihm habe ich ein körperwarmes Gel eingeflößt bekommen und ein paar gute Tipps. Nach 10 Minuten bin ich wieder losgewandert und nach der nächsten Steigung konnte ich wieder laufen. Die restlichen 23 km bin ich ohne Halt und Versorgung durchgelaufen und habe 3 km vor dem Ziel den Altersklassenkonkurrenten abgehängt. Noch vor dem Marathon in Düsseldorf habe ich mich für die 10km der Deutschen Meisterschaft qualifiziert. Zu Pfingsten 2019 bin ich nach Essen gefahren, um meine 25 Runden auf der Bahn zu absolvieren. Je näher ich an den Wettkampfort gekommen bin, umso größer wurde die Anspannung. Etwas einlaufen, ein wenig die Zeit vertreiben, die Startnummer abholen, sind so die Dinge, die man tut, um sich zu beschäftigen. Ich hätte mal lieber nicht nach der Qualifikationszeit der Konkurrenz schauen sollen. Von den 7 Altersklassenkonkurrenten hatte ich die zweitschlechteste Qualifikationszeit gehabt. Aber nun gab es kein Zurück mehr. Besonders beeindruckend fand ich wirklich den Stadionsprecher, der während des Rennens in etwa sagte: "Der Thüringer Leichtathletikverband hat von SV Blau-Weiß Bürgel den Jürgen Löschner hierher zur DM entsendet". Mit den Deutschen Meisterschaften im 10-km-Straßenlauf und im Berglauf mit jeweils dem undankbaren 4. Altersklassenplatz ging das Jahr 2019 zu Ende. Doch der Abschluss des Berglaufes brachte ein neuerliches unerfreuliches Ende. Beim Auslaufen und guter Dinge über den guten Tag habe ich mir keine Gedanken über die sensiblen Knie gemacht, bis ein stechender Schmerz mich in die Realität zurückgeholt hat. Es war das gleiche Gefühl wie beim Meniskusriss, nur wurde das Knie nicht dick und nach 3 Wochen konnte ich wieder laufen. Bis zum April 2020 habe ich noch ein paar Trainingslaufeinheiten absolviert, mit immer langsameren Zeiten und in immer größeren Abständen.

Stillstand & Wiederbeginn

Inzwischen in Vergessenheit geraten ist, dass im Jahre 2020 keine Wettkämpfe stattgefunden haben. So ist bei mir das Interesse am Laufen in den Hintergrund gerückt. Erst im September 2021 hat sich ein besonderer Umstand ergeben, meinen Arbeitsweg einmalig laufend zu bewältigen. Und das hat gut funktioniert, keine Schmerzen, passable Zeit, und im Anschluss gab es einen herrlichen Muskelkater. In der weiteren Folge bis Silvester 2021 habe ich alle Laufeinheiten bei Strava privat eingestellt, so dass es nur ganz wenige Leute wussten, dass ich wieder im Geschäft bin. Mit Spannung habe ich nach einem regelkonformen Silvesterlauf 2021 gesucht und bin in Magdeburg fündig geworden. Ich war wieder heiß auf einen Wettkampf und wollte wissen, wo ich stehe. So war es ein unbeschreiblich tolles Gefühl, unter Coronabedingungen an der Startlinie zu stehen und mein Rennen zu laufen. Inzwischen wird es auch immer spürbarer, dass der Zahn der Zeit am Körper nagt. Der Kopf will schneller sein, aber die Beine bewegen sich nicht mehr so schnell. Doch habe ich mich über dieses Rennen gefreut, auch wenn es den Corona-Regeln geschuldet keine Siegerehrung gab. Auf Strava war die Überraschung gelungen, ich habe viele fragende Kommentare erhalten.

Laufleidenschaft im Team

Im Jahre 2022 wurden wieder ein paar wenige Wettkämpfe ausgetragen. Durch die inzwischen gut angewachsene Anzahl an Läufern im Verein waren wir in der Lage, sowohl an der Schillerstaffel als auch an der Rennsteigstaffel teilzunehmen. Für die Schillerstaffel habe ich meinen läuferischen Beitrag, diesmal ohne Verlaufen, geleistet und ab der 4. Etappe per Radsupport die Vereinsmannschaft in der Mix-Kategorie auf den 3. Platz ins Ziel begleitet. Zur Rennsteigstaffel haben wir als Verein ein weiteres gemeinschaftliches Event gefeiert. Als 4. Mit dem Team sind wir am Abend in Blankenstein eingelaufen. Ich selbst habe an jedem Tage die 2. Etappe unter den Füßen gehabt und im weiteren Tagesverlauf den Läufer- und Autosupport übernommen. Gleich einen Tag später stand der vereinseigene Töpfermarktlauf auf dem Programm. Immerhin konnte ich dort als Gesamtfünfter das Ziel erreichen.

Wenn Tempo auf Erfahrung trifft

Im Jahre 2023 war Corona vorbei. Als Minimalprogramm habe ich mich in den Thüringer Meistercup eingebracht und in 4 Pflichtläufen die Altersklasse für mich entschieden. Immer wieder bremsen mich inzwischen kleinere körperliche Beschwerden aus. An ein regelmäßiges Training kann ich nicht mehr denken, bin vielmehr froh, 2–3 × in der Woche laufen zu können. Umso mehr hat es mich verwundert, im Halbmarathon nur 45 s langsamer als im Vorjahr gewesen zu sein. Als fast ein Wunder empfand ich den 10.000-m-Bahnlauf, bei dem die Uhr nach 37'23" stehen geblieben ist. Es fällt schon schwer, sich darüber klar zu werden, dass die Leistungen der Vergangenheit wirklich Geschichte sind. Ein fester Bestandteil der Aktivitäten und Vereinsevents waren auch 2023 die beiden Staffelläufe. Die Schillerstaffel wird seit 2023 als Sternlauf ausgetragen, wo man auch mehrere Vereinskameraden sieht. Als Zweites von 13 Mix-Teams sind wir ins Ziel gekommen. Für den Rennsteigstaffellauf wurde ich wieder zur 2. Laufetappe eingeteilt. Ab Masserberg habe ich den Radsupport übernommen und das Vereinsteam in der Mix-Wertung auf den 5. Platz ins Ziel nach Blankenstein gebracht.

Rückblick & Realität

Das Jahr 2024 begann wieder mit der Hallenmeisterschaft im 3000-m-Lauf. Nun bereits in der AK 55 startend, gab es wirklich einen Konkurrenten, dem ich den Vortritt lassen musste. Nur die Überredungskünste der Vereinskollegen haben mich zu einer Teilnahme am Meisterschaftslauf zum Halbmarathon in Apolda bewogen. Jetzt bin ich schon 7 Minuten länger unterwegs, als noch im Jahre 2015. Es ist dennoch schön und interessant, wie viele Sportfreunde mich noch kennen und grüßen, obwohl ich mich im Wettkampfgeschäft rar gemacht habe. Meine weiteren Auftritte im Vereinsleben waren wiederum die Schiller- und die Rennsteigstaffel. Zum Schillerstaffellauf sind wir als Verein mit 2 Teams an den Start gegangen. Unsere Mix-Staffel hat dabei sogar den Sieg der Kategorie eingelaufen und das Männerteam ist an 3. Stelle ins Ziel gekommen. Die Rennsteigstaffel lief von der Organisation her etwas anders. Diesmal war ich Startläufer und habe ab der 3. Etappe den Radsupport übernommen. Ich war also hautnah immer am Rennen beteiligt und habe selbst den Support der Vereinskameraden genießen können, sehr gut versorgt zu werden. Diesmal sind wir als Mixteam auf Platz 6 in Blankenstein angekommen.

Was bleibt – und was kommt

Ende des Jahres 2024 angekommen, habe ich ernsthaft überlegt, meinen Startpass abzugeben. Schon lange kann ich kein strukturiertes Training mehr machen. Manchmal läuft es gut, manchmal zwickt irgendetwas. Trainingsläufe mit unter 5 min/km werden weniger, und immer seltener hat das Laufen auch Spaß gemacht. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und die Erinnerung an vergangene Leistungen ist beim Anblick der Medaillensammlung gegenwärtig. Nur durch mein Zögern und die Überredungskünste von Vereinskameradin Katrin stand ich am 12. Januar 2025 in Münchenbernsdorf am Start. Das Einlaufen bei frostigen Temperaturen war eine Sache für sich. Das Rennen lief doch überraschend gut. Hier bin ich sogar in die Verlegenheit gekommen, den Rücken mancher Läuferin zu sehen. Diesen Anblick hatte ich in vergangenen Jahren fast nie gehabt. Genau dieser Lauf in Münchenbernsdorf hat das Interesse an einer Cap-Teilnahme wieder geweckt, da ich hier die Altersklasse gewonnen hatte.
Aus welchem Grunde auch immer sind die Sorgen der Knie weniger geworden und der Spaß sowie das Interesse am Laufen sind wieder erwacht. Plötzlich haben sich die Knie beruhigt, und ich kann fast nach Belieben Trainings bis zur Halbmarathondistanz und in fast allem Gelände absolvieren. Und es war wieder der vereinseigene Lauf in Bürgel, der einen weiteren Motivationsschub gebracht hat. Seit langer Zeit war ich schneller, als beim gleichen Lauf der Vorsaison. Zu dieser Zeit war der Thüringen-Cup im vollen Gange und der Jagd nach Punkten und guten Plätzen waren keine Grenzen gesetzt. Ganz besonders habe ich mich in der späteren Saison über die jeweils 2. Plätze in Königsee und in Neustadt gefreut. Lohn der guten Laufsaison 2025 war die volle Punktzahl der AK 55 im Thüringen-Cup. Ganz nebenbei hat jede Teilnahme an den Cupläufen auch Wertungspunkte für den Verein beschert. Immerhin haben wir als Verein noch den 3. Platz bei der Vereinswertung mit dem allerletzten Wertungslauf der Saison gesichert. Neben den Cup- und Landesmeisterschaftsläufen gab es auch die Schiller- und Rennsteigstaffel, wo wir als Verein wieder gut und erfolgreich abgeliefert haben. Bei der Schillerstaffel haben wir sowohl in der Männer- als auch in der Mixstaffel jeweils den 2. Platz belegt. Den Rennsteigstaffellauf haben wir wie im Vorjahr auf dem 6. Platz der Mix-Wertung ins Ziel gebracht. Als Startläufer und später als Radguide war ich fast komplett am Geschehen dabei. An dieser Stelle sei ein großer Dank gesagt an die Crew im Hintergrund, die insbesondere das Geschehen an den Wechselpunkten im Griff hat, damit sich die Läufer nur auf ihre Etappe konzentrieren müssen. Das Jahr 2025 hat mir in Summe so viele Wettkämpfe für den Verein beschert, wie in den 10 Jahren zuvor nicht.
Was die nächsten Jahre sein wird, ist natürlich nicht vorherzusagen. Der überraschende Wandel im Jahre 2025 erzeugt viele neue Ideen. Am 22. November nach 6 Jahren, 4 Monaten und 4 Tagen wieder an einen Marathon gewagt und diesen auch unbeschadet überstanden. Das Glücksgefühl war unbeschreiblich, diese Distanz wieder durchgestanden zu haben. Es bleibt offen, welche Wettkämpfe ich in Zukunft in Angriff nehmen werde. Gesetzt sind möglichst viele Teilnahmen am Thüringen-Cup, die Landesmeisterschaften und Staffelläufe. So hoffe ich sehr, als Old Star in Zukunft noch für Überraschungen zu sorgen und bei einigen jüngeren Laufkollegen mithalten zu können.

Dank & Abschließende Gedanken

Als Schlusswort möchte ich meinen herzlichsten Dank an alle Vereinskameraden aussprechen. Dabei möchte ich an gemeinsame Wettkämpfe und das Organisieren von Fahrgemeinschaften erinnern. Besonderer Dank gilt ebenso der Organisation der Staffelläufe, die ohne die "gute Seele" im Hintergrund nicht so reibungslos verlaufen.  

Erfolge

Hier meine komplette Erfolgsübersicht, die ich für den SV Blau Weiß Bürgel eingelaufen habe:
Insgesamt 18 × Thüringer Meister, 1 × Deutscher Vize-Meister, 1 × Deutscher Bronzemeister, jeweils in der Altersklasse

Erfolge von Jürgen Löschner (2015–2025)

Datum Veranstaltung Platzierung Zeit/Leistung
29.03.2015LM Halbmarathon1. AK45, 4. gesamt1:19:40
06.06.2015LM 10.000 m Bahn1. AK4537:42
29.08.2015LM Berglauf1. AK45, 4. gesamt
03.10.2015LM 10 km Straße1. AK4535:38
31.12.2015Apoldaer Silvesterlauf1. gesamt34:45*
02.04.2016DM 6h-Lauf3. AK45, 9. gesamt80,565 km
21.05.2016Rennsteig-Supermarathon4. AK45, 13. gesamt5:52:35
19.06.2016Töpfermarktlauf Bürgel1. AK45, 5. gesamt
11.03.2017Greizer Straßenlauf1. AK4534:44 (PB)
18.03.2017LM 10 km Straße1. AK4535:18
08.04.2018LM Halbmarathon2. AK45, 9. gesamt1:21:42
14.04.2018Jenaer Forstlauf1. AK45, 3. gesamt
17.06.2018Töpfermarktlauf Bürgel1. AK45, 8. gesamt
17.08.2018Jenaer Sommernachtslauf1. AK45, 3. gesamt34:55*
08.09.2018Holzlandlauf1. AK45, 2. gesamt
22.09.2018LM 10.000 m Bahn1. AK4535:19
29.09.2018LM 10 km Straße1. AK45, 11. gesamt35:14
13.10.2018Weimarer Stadtlauf (22 km)1. AK45, 4. gesamt
27.10.2018LM Cross1. AK45
31.12.2018Silvesterlauf Tanna1. AK45, 3. gesamt
12.01.2019LM 3000 m Halle1. AK5010:13
31.03.2019LM Halbmarathon1. AK50, 7. gesamt1:22:13
20.04.2019LM 10 km Straße1. AK50, 4. gesamt36:28
28.04.2019DM Marathon4. AK50, 47. gesamt2:45:15
04.05.2019Schillerstaffel
18.05.2019Rennsteig-Supermarathon1. AK50, 19. gesamt6:06:14
08.06.2019DM 10.000 m Bahn2. AK5034:51
15.06.2019Saale-Horizontale Staffel
23.06.2019Töpfermarktlauf Bürgel1. AK50, 3. gesamt
25.08.2019LM Berglauf1. AK50, 9. gesamt
31.08.2019LM 5.000 m Bahn1. AK5017:57
15.09.2019DM 10 km Straße4. AK50, 185. gesamt36:00
22.09.2019DM Berglauf4. AK50, 44. gesamt
31.12.2021Silvesterlauf Magdeburg1. AK50, 8. gesamt
03.04.2022LM Halbmarathon1. AK50, 6. gesamt1:22:18
07.05.2022Schillerstaffel
18.06.2022Rennsteigstaffel
19.06.2022Töpfermarktlauf Bürgel1. AK50, 5. gesamt
02.04.2023LM Halbmarathon1. AK50, 6. gesamt1:23:05
23.04.2023LM Berglauf1. AK50, 5. gesamt
06.05.2023Schillerstaffel
07.05.2023LM 5.000 m Bahn1. AK5018:20
17.06.2023Rennsteigstaffel
18.06.2023Töpfermarktlauf Bürgel1. AK50, 5. gesamt
26.08.2023LM 10.000 m Bahn1. AK5037:23
06.01.2024LM 3000 m Halle2. AK5510:24
24.03.2024LM Halbmarathon3. AK55, 17. gesamt1:26:11
04.05.2024Schillerstaffel
22.06.2024Rennsteigstaffel
12.01.2025Neujahrslauf Münchenbernsdorf1. AK55, 13. gesamt
30.03.2025LM Halbmarathon2. AK55, 12. gesamt1:29:05
13.04.2025LM Berglauf1. AK55, 12. gesamt
10.05.2025Schillerstaffel
01.06.2025Bergbahnlauf1. AK55, 9. gesamt
15.06.2025Kirschlauf1. AK55, 9. gesamt
21.06.2025Rennsteigstaffel-
22.06.2025Töpfermarktlauf BürgelPlatz 1 AK 55, Platz 4 ges. (12,1 km) 49'57"
27.07.2025Frankenwaldlauf OßlaPlatz 1 AK 55, Platz 4 ges. (18,5km)1h18'45"
31.08.2025Stadtwaldlauf KönigseePlatz 1 AK 55, Platz 2 ges. (20km)1h23'14"
13.09.2025HolzlandlaufPlatz 1 AK 55, Platz 4 ges. (11,7km)46'
20.09.2025LM 10.000 mPlatz 1 AK 5538'08"
27.09.2025LM 10 km StraßePlatz 2 AK 5538'17"
03.10.2025Bismarckturmlauf Neustadt Platz1 AK 55, Platz 2 ges. (21km)1h28'49"
08.11.2025LM CrossPlatz 1 AK 55, Platz 13 ges.
31.12.2025Silvesterlauf WaldeckPlatz 1 AK 55, Platz 5 ges.

DM: Deutsche Meisterschaft, LM: Landesmeisterschaft

*Hinweis: Strecke war nicht exakt vermessen.