Deutsches Silber für Blau-Weiß Bürgel
08. Juni 2019
So richtig habe ich es in meinem Kopf immer noch nicht verinnerlicht, nun deutscher Vizemeister zu sein. Das wird wohl noch etwas Zeit brauchen.
Nachdem das Jahr sehr gut und voller Euphorie begonnen hatte, gab es im März einen Dämpfer hinzunehmen, als ich bei den Deutschen Meisterschaften im 3000-m-Lauf nicht teilnehmen konnte. Ich habe mich wieder aufgerappelt und halbwegs fleißig trainiert, wollte ja unbedingt über den Tellerrand des Saale-Cups hinausschauen. Noch etwas enttäuschend lief der Dingelstädter Osterlauf, den ich zur Qualifizierung für die deutsche Meisterschaft gebraucht habe. Zu Ostern war es mir fast egal, Hauptsache die Quali ist geschafft, und bis zur DM sollten es noch 7 Wochen sein.
Schon eine Woche darauf konnte ich deutsche Meisterschaftsluft beim Marathon in Düsseldorf schnuppern und musste feststellen, dass ich eben nur auf Platz 4 in der Altersklasse eingelaufen war. Nun ja, Deutschland ist doch um ein Vielfaches größer, als Thüringen. Da gibt es wirklich starke Konkurrenz. Nach dem Rennsteigsupermarathon hatte ich noch 2 Wochen Zeit, um ein wenig speziell für die 10 km zu trainieren. Die Trainings liefen ganz gut und ich hatte etwas Hoffnung, wenigstens nicht als Letzter die Meisterschaft zu bestreiten.
Nachdem das Jahr sehr gut und voller Euphorie begonnen hatte, gab es im März einen Dämpfer hinzunehmen, als ich bei den Deutschen Meisterschaften im 3000-m-Lauf nicht teilnehmen konnte. Ich habe mich wieder aufgerappelt und halbwegs fleißig trainiert, wollte ja unbedingt über den Tellerrand des Saale-Cups hinausschauen. Noch etwas enttäuschend lief der Dingelstädter Osterlauf, den ich zur Qualifizierung für die deutsche Meisterschaft gebraucht habe. Zu Ostern war es mir fast egal, Hauptsache die Quali ist geschafft, und bis zur DM sollten es noch 7 Wochen sein.
Schon eine Woche darauf konnte ich deutsche Meisterschaftsluft beim Marathon in Düsseldorf schnuppern und musste feststellen, dass ich eben nur auf Platz 4 in der Altersklasse eingelaufen war. Nun ja, Deutschland ist doch um ein Vielfaches größer, als Thüringen. Da gibt es wirklich starke Konkurrenz. Nach dem Rennsteigsupermarathon hatte ich noch 2 Wochen Zeit, um ein wenig speziell für die 10 km zu trainieren. Die Trainings liefen ganz gut und ich hatte etwas Hoffnung, wenigstens nicht als Letzter die Meisterschaft zu bestreiten.
Dann rückte der Pfingstsamstag heran. Noch ziemlich gelassen habe ich meine blau-weiße Vereinskleidung zusammengepackt, Laufuhr, Laufschuhe, Wechselklamotten, Ausschreibung usw. zusammengesucht. Zu einer sehr vernünftigen Zeit habe ich mich dann auf die 4-stündige Fahrt nach Essen begeben. Dann begann plötzlich die Anspannung. Die Gedanken kreisten nur noch um die 25 Runden: Wie könnte ich das Rennen angehen, mit welchem Stolz oder mit welcher Niederlage wird das Rennen ausgehen? Es fiel mir schwer, mich aufs Fahren zu konzentrieren. Gut zweieinhalb Stunden vor dem Start habe ich die Sportanlage "am Hallo" in Essen erreicht. Der erste Meilenstein ist erreicht, ich kann meine Startunterlagen pünktlich abholen. Das Warten vertreibe ich mir als Zuschauer, bei dem Meisterschaftslauf der höheren Altersklassen. Etwa eine Stunde vor dem Start fange ich mit dem Einlaufen an. Die Luft ist angenehm mild, nur der Wind bläst sehr ruppig. Die Einlaufrunde durchlaufe ich 3 Mal und bin der Meinung, dass es reichen muss. Die Knie machen gar keine Sorgen, dafür habe ich so leichten Druck auf den Bronchien. Und schon kommen wieder die dusseligen Gedanken über Erfolg und Niederlage.
Ich bin immer noch unruhig und halte mich wieder in der Nähe des Starts auf. Beim Warten schaue ich mir die Starterliste an. Da stehen auch die Qualizeiten aller 7 Teilnehmer der AK 50 dabei. Auweia, der Jürgen liegt mit seiner Zeit auf Platz 6. Hätte ich mal lieber nicht nachgeschaut.
Gegen 17:15 Uhr erfolgt der Startaufruf, 17:30 Uhr sollte der Start sein. Die Organisation war wirklich spitzenmäßig. Das nimmt die Spannung. Nun schon auf der Bahn angelangt, vertreibe ich mir die Zeit mit ein paar Sprints. Wie leicht die Beine plötzlich waren, es war ein Gedicht. Kurz vor dem Start hatte die Kampfrichterin um etwas Geduld gebeten, weil die Auswertung des letzten Laufs noch nicht fertig war. Also sind alle Läufer noch ein paar Sprints gelaufen, bis die Trillerpfeife ertönte. Startaufstellung: Ich war ziemlich zum Anfang dran, hatte meinen Platz sehr weit innen.
Startschuss, nun gab es kein Halten mehr. Plötzlich sind alle Gedanken über eine Niederlage verflogen. Die erste Runde lief noch verhalten, jeder musste erst einmal seinen Platz in den verschiedenen Grüppchen finden. Ich schaue auf die Uhr, die nach der zweiten Runde eine Durchschnittszeit von 3’18″/km zeigt. Uff, lieber etwas Tempo herausnehmen, dafür sicher ankommen. Ich selbst habe keine Gruppe abbekommen, nur einen Einzelläufer. Sehr schnell haben wir herausgefunden, dass wir keine Konkurrenz in der Altersklasse sind. Nach 2 km oder 5 Runden stand die Kilometerzeit bei 3:23, eigentlich immer noch zu schnell, aber aushaltbar. Einmal habe ich den Stadionsprecher auch meinen Namen nennen hören, auch unseren Vereinsnamen. Nach 5 km oder 12 1/2 Runden habe ich eine Gesamtzeit von 17'10" gelesen. Wahnsinn, immer noch so schnell. Da ist eine Zielzeit von 35 min drin, denke ich so bei mir. Zur gleichen Zeit muss ich den Mitläufer ziehen lassen, aber die Hälfte ist ja herum. Gefühlt werde ich langsamer, aber meine Uhr zeigt immer noch 3'27" im Durchschnitt an. Jetzt ist die Zeit gekommen, die Runden rückwärts zu zählen, und ich werde auch überrundet. Es gibt keine Chance, bei den Topläufern mitzuhalten, aber die sind ja auch mindestens 15 Jahre jünger. Spannend wird die letzte Runde. Kaum einer der Läufer kennt den anderen. Es könnte jeder der Altersklassengegner sein. Mir gelingt es auf der Zielgeraden, noch einen Sprint hinzulegen, um eventuellen Schaden abzuwenden. Trotzdem ist nicht zu vermeiden, dass ich in letzter Sekunde überholt werde.
Nach der Ziellinie konnte ich noch stehen, habe mich nicht vollkommen verausgabt. Gleich kommen die Gespräche über Alter und Rennverlauf. Das Bangen, ob es wenigstens zur Bronzemedaille gereicht hat, bewegt mich doch sehr. Ich bin sogar noch in der Lage, etwas auszulaufen. Knie und Lunge haben tadellos mitgearbeitet. Jetzt mache ich mich erst mal frisch, ziehe ein trockenes Blau-Weiß-Bürgel-Shirt über und schaue zur Ergebnisliste. Da finde ich mich doch tatsächlich auf dem 2. Platz wieder! Ich hätte vor Freude Luftsprünge machen können. Bis zur Siegerehrung verdöse ich die Zeit, genieße den Erfolg. Immerhin war es meine zweitbeste 10-km-Leistung überhaupt. Nie hätte ich daran geglaubt, so etwas zu erleben.
Zur Siegerehrung gab es noch nette Gespräche mit den Mitbewerbern. Ich hatte vorher niemanden gekannt. Bestimmt ist Bürgel nun wieder ein Stück weit unserm ganzen Lande nähergebracht worden. Nachdem alles vorbei ist, habe ich doch eine große, selbst auferlegte Last verloren, muss immer wieder auf die Urkunde schauen und die Medaille mit dem schwarz-rot-goldenen Band betrachten. Etwas benommen trete ich die Fahrt nach Frankfurt an, um dort den Rest des Pfingstwochenendes zu verbringen.